Nachträglicher Balkonanbau – Vorteile und Nachteile!

Bautechnisch kann ein nachträglicher Balkonanbau in der Regel an fast allen Gebäuden ermöglicht werden. Du solltest jedoch wissen, dass ein Nachrüstbalkon nicht nur Vorteile mit sich bringt, sondern auch Nachteile haben kann.
Endlich Sonne genießen, ohne die vier Wände verlassen zu müssen, Balkonobst anbauen und knackiges Gemüse aus dem Topf ernten, sich an der Blütenpracht im Balkonkasten erfreuen. Im Sommer draußen frühstücken, abends grillen: ja, die Vorteile, die für einen nachträglichen Balkonanbau liegen durchaus auf der Hand. ABER: Eine Balkonnachrüstung bringt ebenso Nachteile mit sich!
Ein nachträglicher Balkonanbau hat seine Vorteile und Nachteile
Es sprechen viele gute Gründe für eine Wohnung mit Balkon. Wer keinen hat, sehnt sich danach. Sofern der Vermieter sich für einen nachträglichen Balkonanbau ausspricht, weil Balkons den Marktwert seiner Immobilien steigern, muss das jedoch nicht vorteilhaft für die Mieter sein.
Freust du dich auf deinen „Freiluftsitz“ auf der Sonnenseite? Für Sonnenanbeter ist ein Südbalkon der absolute Hit. Leider entscheidest du nicht, an welcher Hausseite ein nachträglicher Balkonanbau vorgenommen wird. Vor der ersten Balkonnutzung, stehen zunächst viele Wochen voller Baulärm, Dreck und Unannehmlichkeiten an. Da liegen die Nerven schnell blank. Erst recht, wenn du im Homeoffice arbeitest, krank bis oder mit dem Baby zu Hause.
Welche Vorteile und Nachteile ein nachträglicher Balkonanabau haben kann, möchte ich dir heute schildern.
Nachteile des nachträglichen Balkonanbaus
Die Himmelsrichtungen sind beim nachträglichen Balkonanbau nicht zu unterschätzen.
Was passiert, wenn der Nachrüstbalkon auf der Wetterseite angebracht wird? Daraus resultieren mehr Nachteile, als du glaubst:
- Sobald es regnet oder schneit, werden die Balkonmöbel nass. Der Balkonboden ebenso. Handelt es sich dabei um einen Fliesenboden, besteht zudem noch akute Rutschgefahr.
- Stehen Bäume am Haus, was an sich sehr schön ist, ist im Herbst und bei starkem Wind mit Blätterfall zu rechnen. Das Laub macht um Balkons jedoch keinen Bogen. Insbesondere in den unteren Etagen sammelt sich viel Blattwerk an, was von Hand entfernt werden muss.
- Wohnst du im Erdgeschoss oder Hochparterre, bringt der Nachrüstbalkon noch weitere Nachteile mit sich. Die Wohnungen in den unteren Etagen werden dunkler, denn der natürliche Lichteinfall verringert sich. Dadurch bedingt, dass die Bodenplatte des darüber liegenden Balkons viel Tageslicht schluckt. In Fachkreisen wird so etwas „Verschattung“ genannt.
- Infolgedessen musst du an manch trüben Tagen, selbst im Sommer, auf künstliche Lichtquellen (Lampen und Leuchten) zurückgreifen. Was sich wiederum negativ auf die Energiekosten auswirkt.
- Noch „düsterer“ sieht es aus, wenn die nachträglich installierten Balkons Wand an Wand liegen. Wurde ein undurchsichtiger Sichtschutz zur Nachbarwohnung angebracht, fällt nur wenig Tageslicht ins Zimmer.
- Obendrein hast du kaum noch „Privatsphäre“ in dem betreffenden Raum. Sobald die Balkontüren offen sind, hörst du alles von nebenan und umgekehrt.
- Bei Wand-an-Wand-Balkons sind auch Gerüche, ob Essen oder Zigarettenrauch, wahrnehmbarer und können unangenehm werden.
- Allgemein sorgt ein nachträglicher Balkonanbau in Wohnvierteln für zusätliche „Beschallung“. Insbesondere, wenn es sich Wohnbalkons mit Überdachung und Seitenteilen handelt.
- Solche Exemplare können an heißen Sommertage auch zur „Sauna“ werden, denn die Wärme staut sich extrem.
Dies sind längst noch nicht alle Nachteile, die ein nachträglicher Balkonanbau für Mieter mit sich bringt.
Mieterhöhung nach Anbau des Wohnungsbalkons
Logisch, dass der Vermieter für die Balkoninstallation zunächst tief in die Tasche greifen muss. Er holt sich sein Geld jedoch zurück: Monat für Monat – von jedem Mieter. Du zahlst also während der gesamten Dauer deiner Mietzeit drauf, da du mit jeder Monatsmiete den nachträglichen Balkonanbau mitfinanzierst. Mit 30,00 Euro Minimum solltest du schon rechnen. In der Regel bekommen Mieter vorher Bescheid, welche Mieterhöhung nach Anbau des Wohnungsbalkons fällig ist.
Wie hoch die zusätzlichen Mietkosten sind, hängt von verschiedenen Kriterien ab:
- die gewählte Balkon-Konstruktion
- die verwendeten Materialien
- frei stehendes oder verankertes Modell
- zusätzliche Quatratmeter
- …
Überdies macht sich ein nachträglicher Balkonanbau auch in den Nebenkostenabrechnungen bemerkbar. Schließlich müssen zu gegebener Zeit professionelle Reinigungsarbeiten durch entsprechende Firmen an den Außenseiten der Balkons vorgenommen werden. Dafür entstehen dem Vermieter zusätzliche Kosten, die er anteilmäßig auf alle Mietparteien umlegen kann.
Für Empfänger von ALG II kann ein nachträglicher Balkonanbau sogar dazu führen, dass sie sich eine neue Bleibe suchen müssen. Dann nämlich, wenn durch die Anrechnung des Balkons die Miete plötzlich weit über der „Angemessenheitsgrenze“ liegt. Mit etwas Glück dürfen betroffene Hartz IV Empfänger vielleicht trotzdem in ihrer Wohnung verbleiben. Sofern sie sich einverstanden erklären, das „Balkonverbot“ als notwendiges Übel in Kauf zu nehmen.
Wehe, wenn der Heizkörper wegen Nachrüstbalkons versetzt wird
Balkonanbauten werden insbesondere im Zuge von Altbausanierungen vorgenommen. In der Regel muss dafür ein Fenster „dran glauben“. Wenn sich unter jenem der Heizkörper befindet, wird dieser entfernt und an anderer Stelle später wieder angebracht. Klingt logisch, bringt aber auch Nachteile für Mieter mit sich.
Stell dir einmal vor, der nachträgliche Balkonanbau ist für die Außenseite an deiner Küche vorgesehen. Dafür muss die Wand unter dem Küchenfenster (dort, wo sich die Heizung befindet) herausgeschlagen werden. Das Fenster wird ebenso entfernt und durch eine Balkontür ersetzt. Soweit, so gut.
Für dich als Wohnungsmieter kann der für den Vermieter kostengünstige Akt zur kostspieligen Angelegenheit werden. Nämlich dann, wenn du eine teure Einbauküche besitzt. Wenn du Pech hast, wird der Heizkörper genau dort an der Wand angebracht, wo sich eigentlich ein Küchenmöbelteil befindet. Was dies zur Folge hat, dürfte wohl klar sein!
Was du sonst noch wissen musst, wenn ein Balkonanbau nachträglich stattfindet
Es gibt noch weitere Aspekte, an die viele Mieter gar nicht denken. Sofern das Fenster einer Balkontür weichen muss, passen im Nachhinein die vorher verwendeten Gardinen, Vorhänge und Rollos nicht mehr. Was bedeutet, dass eine Neuanschaffung der Fensterverkleidung notwendig wird. Auch die kostet nicht wenig Geld!
Hast du an die Tapete gedacht? Dort, wo sich der Balkonaustritt befindet, muss neu tapeziert werden. Ebenso an der Stelle, wo sich der versetzte Heizkörper befindet, falls dort eventuell Steckdosen verlegt werden mussten. Für das Tapezieren und Streichen dieser Stellen kommt der Vermieter auf. Was zunächst einmal positiv ist.
Hauptsächlich wird Raufasertapete verwendet und Weiß gestrichen. Was aber, wenn deine Wand farbig gestaltet war, oder mit einer hochwertigen Tapete versehen? Ist davon keine Tabetenrolle mehr übrig, wird eventuell eine Komplettrenovierung des Raumes notwendig. Diese Kosten muss der Vermieter nicht tragen.
Damit du im Nachhinein nicht zu viel draufzahlst, solltest du diesen Aspekt vor dem nachträglichen Balkonanbau abklären und zwar schriftlich. Ebenso verhält es sich, wenn Möbel aufgrund der Balkonnachrüstung weichen und durch neue ersetzt werden müssen. Schwierig wird es, wenn es Teile eines älteren Einbaumöbelprogramms sind.
Verbesserte Wohnqualität dank Balkonnachrüstung?
Ich kann erfahrungsgemäß sagen, dass ein nachträglicher Balkonanbau nicht zwangsläufig zu einer verbesserten Wohnqualität beiträgt. Denn zahlreichreiche Gründe, die ich zum Teil oben aufgeführt habe, belegen das Gegenteil. Aus eben diesem Grund habe ich den Artikel bei wohnenundwohlfühlentipps.de verfasst. Ich hoffe, dir damit verdeutlichen zu können, worauf du achten solltest und womit zu rechnen ist, wenn du dir einen Balkon an deiner Wohnung wünschst.
Mieter die einen Umzug planen, fragen zuerst nach einer Balkonwohnung. Ist ja auch eine schöne Sache. Aber wie schon im Artikel beschrieben, gibt es nicht nur Vorteile. Außerdem wird ein Balkon zur Hälfte der Fläche als Wohnraum angerechnet. Wird ein Balkon nachträglich angebracht, wird häufig die Isolation an
der Hauswand nach kurzer Zeit undicht. Ständige Nachbesserungen sind dann notwendig, die auch Kosten verursachen.
Ein lobenswerter Beitrag der die Vor- und Nachteile abasten beschreibt.
Vielen Dank für Ihre Antwort. Stimmt,bei offenen Balkonen wird nur die Hälfte der Quadratmeterzahl berechnet. Bei verglasten Balkonen sieht es schon wieder anders aus. Es gibt tatsächlich noch weitere Nachteile, die ein nachträglicher Balkonanbau mit sich bringt. Jene habe ich absichtlich nicht aufgeführt, um Mieter nicht noch mehr zu verschrecken. Schließlich hat ein Wohnungsbalkon auch seine Vorteile. Wer in ein Haus bzw. in eine Wohnung mit Balkon zieht, entscheidet sich bewusst dafür. Aber darum geht es in dem Artikel ja nicht, sondern um die Vor- und Nachteile eines nachträglichen Balkonanbaus. Danke fürs Lob in dem Sinne : )